Jetzt bestellen: das neue Halbtax-Abo des Theaters Chur Jetzt schon bestellen: bequem per Post bekommen
blog

Puste aus für Flims Klang?

Mittwoch, 22. Oktober 2008 - 12:46

Von Mathias Balzer

Die Nachricht vom Ende des Festivals «Flims Klang» ist nun schon einige Wochen alt. Erstaunlicherweise hat sie kaum öffentliche Reaktionen ausgelöst. Vielleicht liegt das ja an der Nachrichtenflut über die Finanzkrise. Was sind schon Klänge gegenüber Zahlen mit über zehn Nullen? Dabei schien, von aussen betrachtet, alles in Ordnung zu sein.

Flims Klang hat sich über fünf Jahre kontinuierlich aufgebaut, die qualitativ anspruchsvollen Produktionen an ausgesuchten Naturplätzen in der Flimser Landschaft haben Publikum und Presse begeistert. Der Auftritt des Anlasses war gepflegt, verzichtete auf die bei vielen Festivals grassierende Worthülsendrescherei. Flims Klang passte zu Flims. Es erstaunt nun doch sehr, dass fünf Jahre Aufbauarbeit ein so plötzliches Ende finden. Immerhin ist der Anlass von Graubünden Kultur in den Reigen der so genannten kulturellen Leuchttürme im Kanton, bisher zwölf an der Zahl, aufgenommen worden.

Liest man die Begründung für das sang- und klanglose Ende des Festivals, vernimmt man folgende Geschichte: Initiative Künstler, die keine Berührungsängste in der Zusammenarbeit mit touristischen Organisationen haben, realisieren einen Anlass. Die Idee stösst auf Wohlwollen und wird auch unterstützt. Um das Festival aufzubauen, müssen die Veranstalter viel investieren. Das bedeutet meist: Sie kompensieren fehlende finanzielle Mittel durch unbezahlte Arbeit, in der Hoffnung, dass die Durststrecke mit dem wachsenden Erfolg eine Ende finden wird. Die Beiträge an das Budget erhöhen sich Jahr für Jahr zwar um einige Franken, aber kaum um Zahlen mit mehreren Nullen. Nach fünf Jahren Durststrecke stehen die Veranstalter vor dem Dilemma, dass der Anlass zwar erfolgreich ist, die Finanzierung aber, würde man die unbezahlte Arbeit vergüten, keineswegs gedeckt ist. Es wäre Zeit, Flims Klang zu institutionalisieren. Aber trotz Erfolg und ausgewiesener Leistung, sind weder die Gemeinde noch der Kanton bereit, diesen Schritt zu vollziehen. Den Veranstaltern geht die Puste aus. Ende der Geschichte.

Meine Fragen an die Beteiligten, die Veranstalter, die touristischen Organisationen, die Kulturförderung, an Graubünden Kultur sind: Stimmt meine Wahrnehmung der Vorgänge, die zum Ende von Flims Klang führen? Ist dies ein Einzelfall oder ein symptomatischer? Wie lange muss sich ein Anlass behaupten, damit man ihn auch finanziell auf gesunde Beine stellt? Wer soll dies tun?

Niedergänge beginnen oft mit unscheinbaren Ereignissen. Es könnte ja sein, dass noch weiteren Leuchttürmen von Graubünden Kultur langsam der Strom ausgeht.