73% JA – Danke
Am Tag nach der – aus unserer Sicht – sehr erfolgreichen Abstimmung möchte ich mich nochmals und ganz herzlich, auch im Namen meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei allen für die Unterstützung und ihr Engagement für die neue Trägerschaft des Theaters Chur bedanken.
Markus Luchsinger Künstlerischer Leiter Theater Chur
Eine Lobby für das Theater
Von Markus Luchsinger
Am 17. Mai werden Sie, liebe Churerinnen und Churer, über die «Privatisierung» des Churer Stadttheaters abstimmen. Wobei Privatisierung vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist. Es geht um eine neue Trägerschaft für das Stadttheater. Die Stiftung Theater Chur. Diese wird deswegen nicht zur Privatangelegenheit. Der Name sagt es bereits.
Auch bei Ihrem Ja zur Änderung des Kulturgesetzes sichern regelmässige Beiträge der öffentlichen Hand – in erster Linie der Stadt und, wie wir uns wünschen, weiterhin auch des Kantons – die Aufrechterhaltung eines kulturellen und bildungspolitischen Auftrags: Die Erhaltung eines überregional bekannten Theater- und Konzerthauses in der Kantonshauptstadt, die Vermittlung von künstlerisch hoch stehenden Ereignissen, sowie die Erarbeitung eigenständiger Produktionen im Musik- und Theaterbereich, in welchen sich die spezifischen Qualitäten unserer Region zum Ausdruck bringen. Das Theater Chur ist eines der kulturellen Aushängeschilde unseres Kantons.
Eine Kommission, die sich aus allen – zur Beginn ihrer Tätigkeit – im Gemeinderat von Chur vertretenen Parteien zusammensetzte, befand nach intensiver Beschäftigung mit der Thematik einstimmig, dass eine Trägerschaft im Sinne der geplanten Stiftung sinnvoll ist. Die Stadt hatte anfangs der Neunzigerjahre das Theater, das damals genossenschaftlich organisiert war, übernommen. Mehr aus Not, denn aus eigenem Wunsch. Inzwischen wissen wir, dass ohne Geld hochstehendes Theater nicht zu machen ist. Dafür braucht es eine Lobby. Ich bin der Meinung, dass die öffentliche Hand Kultur und Bildung fördern kann und soll. Dass sie gleichzeitig aber die Lobbyarbeit für Kultur übernimmt, ist unrealistisch. Für ein festes Haus wie das Theater Chur braucht es gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verlässliche Strukturen.
Strukturen sind eine Sache. Letztlich sind es Persönlichkeiten, die über den Erfolg oder Nicht-Erfolg einer künstlerischen Einrichtung bestimmen. Die Mitglieder des Stiftungsrats, bestehend aus Vertretern von Politik, Wirtschaft und Kultur, sind Gesprächspartner der Theaterleitung. Sie helfen mit, Strategien zur Erfüllung des Auftrags zu erarbeiten. Sie erkennen Risiken, rechtzeitig. Gegen aussen stärkt ein solches Gremium das Verständnis für die Anliegen des Hauses, nachhaltiger jedenfalls, als wenn der Theaterleiter ständig in eigener Sache für seine Kunst wirbt.
Auch aus diesem Grund, plädiere ich für eine unabhängige Trägerschaft. Ich bin davon überzeugt, dass wir alle – und in erster Linie das Theater, auf das die Churerinnen und Churer stolz sind – von diesem Schritt profitieren werden. Die Stiftung allein bringt noch kein zusätzliches Geld. Sie löst nicht alle Probleme. Wir werden Personen finden müssen, die unsere Arbeit unterstützen. Ich bin überzeugt, dass es sie gibt, in unserer Stadt. In unserem Kanton. Eine eigenständige Trägerschaft bedeutet einen Schritt in eine richtige Richtung. Und Bewegung – das zeigt ein Blick auf die Vergangenheit unseres Hauses – ist besser als Stillstand.


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