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Eine Lobby für das Theater

Mittwoch, 06. Mai 2009 - 16:53

Von Markus Luchsinger

Am 17. Mai werden Sie, liebe Churerinnen und Churer, über die «Privatisierung» des Churer Stadttheaters abstimmen. Wobei Privatisierung vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist. Es geht um eine neue Trägerschaft für das Stadttheater. Die Stiftung Theater Chur. Diese wird deswegen nicht zur Privatangelegenheit. Der Name sagt es bereits.

Auch bei Ihrem Ja zur Änderung des Kulturgesetzes sichern regelmässige Beiträge der öffentlichen Hand – in erster Linie der Stadt und, wie wir uns wünschen, weiterhin auch des Kantons – die Aufrechterhaltung eines kulturellen und bildungspolitischen Auftrags: Die Erhaltung eines überregional bekannten Theater- und Konzerthauses in der Kantonshauptstadt, die Vermittlung von künstlerisch hoch stehenden Ereignissen, sowie die Erarbeitung eigenständiger Produktionen im Musik- und Theaterbereich, in welchen sich die spezifischen Qualitäten unserer Region zum Ausdruck bringen. Das Theater Chur ist eines der kulturellen Aushängeschilde unseres Kantons.

Eine Kommission, die sich aus allen – zur Beginn ihrer Tätigkeit – im Gemeinderat von Chur vertretenen Parteien zusammensetzte, befand nach intensiver Beschäftigung mit der Thematik einstimmig, dass eine Trägerschaft im Sinne der geplanten Stiftung sinnvoll ist. Die Stadt hatte anfangs der Neunzigerjahre das Theater, das damals genossenschaftlich organisiert war, übernommen. Mehr aus Not, denn aus eigenem Wunsch. Inzwischen wissen wir, dass ohne Geld hochstehendes Theater nicht zu machen ist. Dafür braucht es eine Lobby. Ich bin der Meinung, dass die öffentliche Hand Kultur und Bildung fördern kann und soll. Dass sie gleichzeitig aber die Lobbyarbeit für Kultur übernimmt, ist unrealistisch. Für ein festes Haus wie das Theater Chur braucht es gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verlässliche Strukturen.

Strukturen sind eine Sache. Letztlich sind es Persönlichkeiten, die über den Erfolg oder Nicht-Erfolg einer künstlerischen Einrichtung bestimmen. Die Mitglieder des Stiftungsrats, bestehend aus Vertretern von Politik, Wirtschaft und Kultur, sind Gesprächspartner der Theaterleitung. Sie helfen mit, Strategien zur Erfüllung des Auftrags zu erarbeiten. Sie erkennen Risiken, rechtzeitig. Gegen aussen stärkt ein solches Gremium das Verständnis für die Anliegen des Hauses, nachhaltiger jedenfalls, als wenn der Theaterleiter ständig in eigener Sache für seine Kunst wirbt.

Auch aus diesem Grund, plädiere ich für eine unabhängige Trägerschaft. Ich bin davon überzeugt, dass wir alle – und in erster Linie das Theater, auf das die Churerinnen und Churer stolz sind – von diesem Schritt profitieren werden. Die Stiftung allein bringt noch kein zusätzliches Geld. Sie löst nicht alle Probleme. Wir werden Personen finden müssen, die unsere Arbeit unterstützen. Ich bin überzeugt, dass es sie gibt, in unserer Stadt. In unserem Kanton. Eine eigenständige Trägerschaft bedeutet einen Schritt in eine richtige Richtung. Und Bewegung – das zeigt ein Blick auf die Vergangenheit unseres Hauses – ist besser als Stillstand.


Letzte Kommentare Marco Willi schrieb am Mittwoch, 13. Mai 2009 - 17:59
Ja zur Liberalisierung des Theater Chur ! von Marco Willi* Mit der Übernahme des Stadttheater Chur durch die Stadt im Jahre 1991 begann am grössten Theaterhaus unseres Kantons eine Zeit der Tristesse. Aus einem blühenden künstlerischen Haus wurde ein reiner Gastspielbetrieb, der über weite Strecken Konservennahrung dem Bündner-Publikum bot. Der einzige Vorteil dieser Lösung lag in mehr oder weniger berechenbaren finanziellen Aufwendungen für unsere Stadtkasse. Mit dem erstmals erlassenen städtischen Kulturförderungsgesetz vom 2003 sind nun wieder einzelne Eigenproduktionen möglich. Das führte dazu, dass der künstlerische Gehalt unseres „Theater Chur“ schlagartig verbessert werden konnte. Theaterkoryphäen wie unser jetziger Theaterleiter Markus Luchsinger haben es in kurzer Zeit geschafft, dass in Chur heute wieder Theaterbesucher aus der ganzen Schweiz anzutreffen sind. Die spektakulären Aufführungen am Theaterplatz begeistern die Churer und Bündner. Das Theater Chur hat wieder Profil! Die guten Erfahrungen der letzten Spielzeiten haben dazu geführt, dass die eingesetzte gemeinderätliche Kommission ( - bestehend aus Mitgliedern aller grösseren Parteien -?) einstimmig zum Schluss kam, die Unabhängigkeit für das Theater Chur zu fordern. Mit der in Graubünden anerkannten Rechtsform einer Stiftung soll ein selbständiger Betrieb und eine Entkoppelung von der Politik erreicht werden. In der Zukunft soll das Theater Chur für unsere Stadt als kultureller Leuchtturm und touristisches Magnet wirken. Dazu braucht es eine dynamische Vorwärtsstrategie und unternehmerische Freiheit. Mit der Gesetzesänderung im Kulturförderungsgesetz und einer straff geführten Stiftung mit einem kompetenten Stiftungsrat zusammengesetzt aus Vertretern der Wirtschaft, Kultur und Politik sind dafür die besten Voraussetzungen geschaffen. Mit der Erstwahl des Stiftungsrates durch den Gemeinderat kann Kontinuität gesichert werden. Die finanziellen Aufwendungen für die Stadt verändern sich durch die Liberalisierung in keiner Art und Weise. Die finanzielle Verantwortung liegt nicht mehr bei der Stadt sondern bei der Stiftung. Theater ist und bleibt auch Theater um des Theaters Willen. Die Zukunftschancen sind in der heutigen Theaterlandschaft für ein flexibles, nicht direkt an der städtischen Verwaltung hängendes Theater auf jeden Fall besser. Neben mehr unternehmerischer Freiheit ist der Möglichkeit der Geldbeschaffung und der Zusammenarbeit mit anderen Häusern immer mehr Beachtung zu schenken. Die Theaterwelt verändert sich ständig. Sie ist innovativ und flexibel. Lassen Sie das Theater Chur daran teilhaben und unterstützen Sie die Liberalisierung des Theater Chur. * Marco Willi war Präsident der gemeinderätlichen Vorberatungskommission „Neue Trägerschaft für das Stadttheater Chur“ und bis Ende 2008 FDP-Gemeinderat in Chur

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