Braucht Chur ein Konzerthaus?
Von Heinz Girschweiler
Soeben habe ich in der Theaterzeitung den Artikel über das Theater als Konzerthaus gelesen und mich gewaltig geärgert, dass Sie die Idee der Postremise auf diese Art desavouieren. Der Begriff Tonhalle ist ein unglücklich gewählter Projekttitel, der in einer frühen Phase verwendet wurde, der aber nicht von Bedeutung ist, da dieser Begriff in Chur bereits durch das entsprechende Lokal besetzt ist und wohl kaum je für das Projekt Postremise verwendet werden dürfte. Das das Churer Theater auch ein Konzerthaus ist, steht ausser Frage und soll sicher auch so bleiben, wenn es um grosse Orchesterkonzerte geht. Das Projekt Postremise ist ein mittelgrosser Saal, gedacht für Kammermusikkonzerte oder kleinere Orchesterbesetzungen. Entsprechend der Idee von Andrea Meuli, wäre das ein möglicher zweiter Spielort für kleinere Projekte.
Mal abgesehen von der unbefriedigenden akustischen Situation im Theater Chur, möchte ich Sie bitten, mir einen Saal in Chur zu nennen, der akustisch wirklich befriedigt. Neben den Konzerten im Theater Chur gibt es aber eine weitaus grössere Konzertszene in Graubünden sowohl im klassischen Bereich, als auch in anderen Sparten. Und in dieser Szene ist man sich wohl einig, dass die Situation in Chur für eine Stadt dieser Grösse unbefriedigend ist. Ob das Theater Chur mit baulichen Massnahmen da Abhilfe schaffen kann, wage ich zu bezweifeln. Die Anforderung an ein Sprechtheater ist nun mal eine andere, als an einen Konzertsaal.
Dazu kommt, das neben den eingekauften Produktionen von aussen auch eine aktive eigene Musikszene existiert. Diese Musikszene braucht einen Saal mittlerer Grösse. Klibühni und Werkstatt sind zu klein, Würth ungeeignet, Marsöl und Kulturhaus Bienenweg akustisch eine Katastrophe, Kirchgemeindehäuser und Aulen atmosphärisch ungeeignet. Das Projekt Postremise ist ein Chance, wenigstens eine Diskussion in Gang zu bringen. Wenn aber Leute wie Andrea Meuli und David Sonton, die gar nicht hier leben und arbeiten, solche Urteile in der Öffentlichkeit fällen, sehe ich schwarz für eine Grundsatzdiskussion. Dann bleibt längerfristig alles beim Alten und die hier arbeitenden MusikerInnen haben das Nachsehen. In diesem Sinne wünsche ich mir von Ihnen einen differenzierteren Umgang mit diesem Thema. Wenn Sie es schaffen, die räumlichen Bedingungen für Musik in Chur unter dem Namen Theater- und Konzerthaus Chur wirklich zu verbessern, bin ich noch so froh und auf jeden Fall auf Ihrer Seite, wenn nicht, dann helfen Sie doch bitte mit, wenigstens eine kleine Verbesserung der Situation zu erzielen!
Das Gespräch mit Andrea Meuli und David Sontòn-Caflisch ist erschienen in der Zeitung Nr. 7 des Theaters Chur. Sie können die Zeitung bei uns
bestellen unter: info@theaterchur.ch
oder online lesen: www.theaterchur.ch/cmsfiles/presse/RZ_Zeitung_07.pdf
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